Es gibt Transfers, die polarisieren – und es gibt Transfers, bei denen man nach ein paar Sekunden merkt: Das passt. Die Leihe von Leonidas Stergiou zum 1. FC Heidenheim gehört für mich ganz klar in die zweite Kategorie.
Der Deal war im Grunde schon lange angelegt: Heidenheim wurde früh als Interessent gehandelt, Augsburg war ebenfalls dran. Auch beim VfB und im Umfeld von Stergiou konnte man sich eine Leihe auf die Ostalb gut vorstellen. Und ehrlich gesagt: Wäre da nicht die Verletzungsmisere in der Innenverteidigung gewesen, wäre dieser Transfer wohl schon deutlich früher durchgewunken worden.

Warum der Transfer zunächst auf Eis lag
Die Ausgangslage kennen wir:
Beim VfB fielen in der Innenverteidigung gleich mehrere Spieler aus. Plötzlich war jeder verfügbare Innenverteidiger gefühlt systemrelevant. In so einer Phase gibst du keinen Spieler ab, der dir im Zweifel Stabilität geben kann – selbst wenn der Plan sportlich eigentlich ein anderer war.
Deshalb wurde der Wechsel nach Heidenheim zunächst „on hold“ gesetzt. Nicht, weil man Zweifel an Stergiou hatte, sondern weil die Kadersituation es einfach nicht hergegeben hat.
Jetzt aber hat sich die Lage verändert:
- Ameen Al-Dakhil ist zurück im Mannschaftstraining.
- Bei Finn Jeltsch ist der Rücken wieder stabil.
- Luca Jaquez steht vor seinem Comeback.
Kurz gesagt: Die Not im Defensivzentrum ist nicht mehr so groß wie noch vor ein paar Wochen. Und damit war der Weg frei, die ursprüngliche Idee wieder aufzugreifen.
Die Rahmendaten: Leihe, keine Kaufoption, ordentliche Summe
Die Fakten zur Leihe, soweit aus der Presse bekannt:
- Leihe bis Saisonende
- Keine Kaufoption
- Heidenheim zahlt einen mittleren sechsstelligen Betrag
Das ist kein spektakulärer Transfer im Sinne von Breaking News – aber ein sehr sauberer, durchdachter Move. Der VfB gibt die langfristigen Rechte an Stergiou nicht aus der Hand, kassiert gleichzeitig eine ordentliche Leihgebühr und entlastet den Kader an einer Stelle, an der die Konkurrenz aktuell extrem hoch ist.
Warum der Schritt für Stergiou sportlich alternativlos ist
Stergiou hat beim VfB bereits gezeigt, dass er Bundesliga-Niveau hat. Das ist keine Wette auf Potenzial, sondern eine relativ klare Bestandsaufnahme. Wenn er gespielt hat, war das in aller Regel solide bis gut. Sein Problem ist nicht die Qualität – sein Problem ist die Situation.
Beim VfB ist die Konkurrenz auf der rechten Seite und in der Innenverteidigung brutal: Etablierte Spieler, Talente mit hoher Perspektive, dazu taktische Varianten, bei denen er nicht automatisch erste Wahl ist. In so einem Umfeld kann es schnell passieren, dass du zu wenig Minuten bekommst – und das ist für jemanden wie Stergiou wenig förderlich.
Dazu kommt:
Er will den Sprung in den WM-Kader der Schweizer Nationalmannschaft schaffen. Das ist ein ambitioniertes, aber realistisches Ziel. Nur: Ohne regelmäßige Einsätze in der Bundesliga wird das extrem schwer. Für eine WM-Nominierung brauchst du Rhythmus, Präsenz, Sichtbarkeit. All das bekommt er in Heidenheim deutlich eher als in Stuttgart.
Für ihn ist diese Leihe deshalb mehr als nur ein Zwischenschritt – es ist eine Chance, seine Karriere aktiv zu steuern, statt nur zu reagieren.
Warum der VfB sich trotzdem nicht schwächt
Die naheliegende Frage aus VfB-Sicht: Schwächen wir uns damit nicht in der Breite?
Meine Antwort: Nein – zumindest nicht in einem Maße, das den Schritt infrage stellt.
Mit der Rückkehr von Jeltsch, Al-Dakhil und dem bevorstehenden Comeback von Jaquez ist die Innenverteidigung wieder so aufgestellt, dass du eine Leihe wie diese verantworten kannst. Zumal der VfB in den letzten Monaten gezeigt hat, dass er auch mit Rotationen und Ausfällen umgehen kann, ohne komplett ins Wanken zu geraten.
Dazu kommt ein anderer Punkt:
Ein Spieler, der kaum spielt, verliert an Wert – sportlich wie wirtschaftlich. Wenn Stergiou in Heidenheim Stammspieler wird, sich weiterentwickelt und im Sommer mit vielen Bundesliga-Minuten im Tank zurückkommt, ist das für den VfB ein klarer Gewinn. Sein Vertrag läuft noch bis 30.06.2028 – der Verein hat also langfristig alle Optionen.
Heidenheim als perfektes Umfeld
Für Heidenheim ist dieser Transfer fast schon ein Geschenk.
Frank Schmidt bekommt einen RV/IV, der:
- Bundesliga-Erfahrung mitbringt
- taktisch diszipliniert ist
- im Spielaufbau sauber agiert
- und sofort helfen kann
Heidenheim ist zudem ein Umfeld, in dem Spieler nicht verheizt, sondern gezielt eingebunden werden. Die Erwartungshaltung ist hochprofessionell, aber nicht toxisch. Für einen Spieler, der Stabilität und Rhythmus sucht, ist das ein ideales Setting.
Mein Fazit: Ein Transfer ohne Verlierer
Für mich ist die Leihe von Leonidas Stergiou nach Heidenheim eine dieser seltenen Konstellationen, in denen wirklich alle Seiten profitieren:
- Stergiou bekommt das, was er am dringendsten braucht: Spielzeit, Verantwortung, Sichtbarkeit.
- Heidenheim bekommt einen entwicklungsfähigen, aber schon erprobten Spieler, der sofort Bundesliga spielen kann.
- Der VfB sichert sich die langfristigen Rechte, kassiert eine ordentliche Leihgebühr und hat die Chance, im Sommer einen gereiften Spieler zurückzubekommen.
Deshalb mein Blick auf die nächsten Monate:
Lass ihn in Heidenheim kicken – und dann schauen wir im Sommer weiter.
Die Grundlage dafür, dass das für den VfB am Ende ein richtig guter Move wird, ist auf jeden Fall gelegt.