Es gibt Wochen, in denen sich das Schicksal der Leihspieler des VfB Stuttgart liest wie eine Sammlung kleiner, aber sprechender Fußballparabeln. Geschichten über Chancen, die sich nicht öffnen wollen, über Mannschaften, die taumeln, und über Spieler, die trotzdem versuchen, Ordnung in das Chaos zu bringen. Manchmal gelingt es ihnen. Manchmal nicht. Und manchmal ist das Scheitern gar nicht ihr eigenes.
Jovan Milosevic – Bremen, das Warten und die Wirklichkeit
Jovan Milosevic erlebt gerade, was man im Fußballgeschäft eine „ungünstige Gemengelage“ nennt. Werder Bremen hat seit drei Monaten nicht mehr gewonnen, und wenn ein Verein so lange ohne Erfolg bleibt, dann endet das selten mit einem Blumenstrauß. Horst Steffen musste gehen, nun übernehmen Raphael Duarte und Christian Groß – eine Interimslösung, die schon dadurch problematisch ist, dass sie interimistisch ist.
Für Milosevic bedeutet das: Er spielt in einer Mannschaft, die sich selbst nicht versteht. Gegen Hoffenheim durfte er von Beginn an ran, gegen Gladbach kam er in der 64. Minute. Kein Torschuss, kein Tor – aber das wäre zu einfach erzählt. Seine Pässe waren sauber, seine Zweikämpfe robust, sein Auftreten stabil. Nur hilft das wenig, wenn die Mannschaft um ihn herum weiter Richtung Tabellenkeller trudelt. Platz 15, Mainz nur noch einen Punkt dahinter. Es ist ein schmaler Grat, auf dem Milosevic gerade balanciert.
Yannik Keitel – der Mann, der Augsburg anschaltet
Es gibt Spieler, die kommen aufs Feld und plötzlich sieht eine Mannschaft aus, als hätte jemand das Licht angemacht. Yannik Keitel ist so einer. Gegen St. Pauli kam er zur Halbzeit, es stand 1:1. 14 Minuten später führte Augsburg 2:1, am Ende gewann der FCA zum ersten Mal in dieser Saison zwei Spiele in Folge.
Keitel war nicht der Torschütze, aber er war ein Taktgeber. Zweikämpfe, Pässe, Präsenz – das ganze Paket. Augsburg klettert auf Platz 11, und Keitel wirkt wie jemand, der sich gerade selbst beweist, dass er mehr kann, als Stuttgart ihm zugetraut hat.
Leonidas Stergiou – Heidenheim ohne Halt
Leonidas Stergiou fehlte in Dortmund. Wieder muskuläre Probleme, wieder die Frage: Wie lange? Heidenheim verlor 2:3, war nah dran an einer Überraschung, aber eben nur nah. Und man konnte sehen, dass ihnen ein Spieler fehlte, der Ordnung in die Defensive bringt.
Stergiou könnte für Heidenheim das sein, was ein Stützpfeiler für ein altes Haus ist: Man merkt erst, wie wichtig er ist, wenn er wegbricht. Tabellenletzter bleibt Heidenheim trotzdem. Gegen den HSV wären drei Punkte nicht nur wichtig, sondern fast schon eine Art Überlebensmaßnahme.
Dennis Seimen – solide im Sturmgebiet
Paderborn verliert in Düsseldorf 1:2, und Dennis Seimen kann nichts dafür. Er hält, was zu halten ist, er macht keine Fehler, er wirkt wie jemand, der längst bereit ist für größere Aufgaben. Aber Paderborn steckt fest: Nur vier Siege aus den letzten zehn Spielen, Platz 4, Tendenz fallend.
Seimen steht im Tor einer Mannschaft, die sich selbst im Weg steht. Am Samstag kommt Nürnberg – ein Spiel, das mehr über Paderborn aussagen wird als über Seimen.
Jarzinho Malanga – ein Joker mit Wucht
Elversberg gewinnt 3:1 in Kaiserslautern, und Jarzinho Malanga kommt in der 83. Minute. Da steht es schon 2:1, später wird es 3:1. Malanga ist nicht am Tor beteiligt, aber er hat in der 92. Minute eine Riesenchance – eine, die man ihm gegönnt hätte, weil er immer wirkt wie ein Spieler, der kurz davor ist, etwas Entscheidendes zu tun.
Elversberg ist zurück auf Platz 2. Am Samstag kommt die Hertha. Malanga wird wieder warten müssen – aber er ist einer, der aus wenig Einsatzzeit viel macht.
Laurin Ulrich – der stille Aufsteiger im Abstiegskampf
Magdeburg verliert 1:2 gegen Hannover, die zweite Niederlage in Folge. Laurin Ulrich spielt bis zur 88. Minute, und man kann sich nur wiederholen: Er macht’s gut. Sehr gut sogar. Pässe, Zweikämpfe, Laufwege – alles auf einem Niveau, das höher ist als der Tabellenplatz seines Teams.
Er spielt eine Großchance heraus, er bringt Struktur in ein Spiel, das oft strukturlos wirkt. Und man fragt sich: Wie sähe Ulrich in einer besseren Zweitligamannschaft aus? Wahrscheinlich noch besser.
Magdeburg fällt von 14 auf 17. Am Freitag geht es gegen Fürth, den Tabellenletzten. Ein Spiel, das man nicht verlieren darf – und das Ulrich trotzdem nicht alleine gewinnen kann.
Benjamin Boakye – ein Wochenende ohne Einsatz
Arminia Bielefeld spielt 1:1 in Dresden, und Benjamin Boakye bleibt draußen. Bielefeld steht auf Platz 14, aber die Tabelle ist eng wie ein Nadelöhr. Mit einer Niederlage gegen Braunschweig könnte die Arminia erstmals in dieser Saison auf einen direkten Abstiegsplatz rutschen. Mit einem Sieg könnten sie die Eintracht überholen.
Boakye wartet derweil auf seine Chance. Und manchmal ist Warten im Fußball die härteste Disziplin.
Luca Raimund – zwischen Anspruch und Regionalliga
Luca Raimund steht beim 2:1 der Fortuna gegen Paderborn nicht im Kader. Stattdessen spielt er 45 Minuten für Düsseldorf II gegen Gütersloh. 0:2 verloren. Es ist ein Zwischenschritt, der sich wie ein Rückschritt anfühlt, aber manchmal sind solche Wochen Teil der Ausbildung. Auch wenn sie sich nicht so anfühlen.
Eliot Bujupi – die Pause, die keiner wollte
Knieverletzung. Mehr muss man nicht sagen. Und doch sagt es alles.
Peter Reinhardt – Warten auf den Restart
Illertissen spielt erst am 28. Februar wieder, gegen Memmingen. Für Reinhardt heißt das: Trainingsplatz statt Bühne.




