Grischa Prömel und der VfB: Ein Gedanke, der elektrisiert – und gleichzeitig Bauchschmerzen macht

Es gibt Meldungen, die rauschen durch die Fußballwelt wie ein Windstoß, der erst die Gardinen hebt und dann die Nerven. Die Nachricht, der VfB Stuttgart beschäftige sich ernsthaft mit Grischa Prömel, gehört genau in diese Kategorie. Ein Name, der sofort Diskussionen entfacht – und zwar nicht nur wegen seiner fußballerischen Qualitäten.

Denn Prömel bringt eine Vita mit, die man in Stuttgart freundlich formuliert als „herausfordernd“ bezeichnen könnte. Kickers. Hoffenheim. KSC. Union. Man könnte sagen: Er hat sich konsequent durch die Liste der Vereine gearbeitet, die beim VfB-Fan reflexartig Ausschlag verursachen. Viel schlimmer geht’s fast nicht. Und trotzdem: Über seine Qualitäten muss man nicht lange reden. Prömel ist ein guter Spieler. Punkt.

BAU // Stuttgart , Bundesliga Fußball VfB Stuttgart vs. TSG 1899 Hoffenheim, v.l. Angelo Stiller (VfB) / Grischa Prömel (Hoffenheim)

Das Problem: Er ist ein guter Spieler, der oft nicht spielt

Und genau da beginnt das Dilemma. Prömel ist 31. Das ist kein Alter, bei dem man im Profifußball automatisch aussortiert wird – aber es ist auch nicht mehr die Phase, in der man sich jedes Jahr neu erfindet. Dazu kommt eine Verletzungshistorie, die man nicht einfach wegmoderieren kann: Kreuzbandriss, Innenbandverletzung, Knöchelbruch. Ein Körper, der viel erlebt hat – vielleicht zu viel.

Der VfB weiß das. Prömel weiß das. Und trotzdem steht sein Name wieder auf dem Zettel. Wie schon 2022, als der VfB ihn unbedingt wollte. Damals war er ablösefrei, die Gespräche liefen, alles sah gut aus – aber der VfB zitterte bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt. Prömel wollte nicht in die Zweite Liga. Verständlich. Also ging er nach Hoffenheim. Nicht wegen des Geldes, sondern wegen der Planungssicherheit. Ein Wort, das in Stuttgart damals ungefähr so stabil war wie ein Kartenhaus im Föhnwind.

Der Spieler, der einem auf den Geist geht – und den man trotzdem gern hätte

Man muss es so deutlich sagen: Prömel ist einer dieser Spieler, die einem als Gegner wahnsinnig auf die Nerven gehen. Er läuft, er grätscht, er nervt, er provoziert, er ist überall und nirgendwo. Ein Spieler, der einem 90 Minuten lang auf den Sack geht.

Und genau deshalb würde man ihn im eigenen Trikot feiern.

Denn der VfB hat viel Talent, viel Technik, viel Spielwitz – aber er hat nicht viele Spieler, die dem Gegner systematisch die Laune verderben. Prömel wäre genau dieser Typ. Einer, der ein Spiel nicht nur spielt, sondern es beeinflusst. Einer, der Räume frisst und Emotionen erzeugt. Einer, der die Mannschaft in Phasen trägt, in denen es nicht um Schönheit geht, sondern um Widerstand.

Die Frage ist nur: Zu welchem Preis?

Die Vita? Geschenkt. Der Mann hat nie gegen den VfB geschossen, verbal oder sonst wie. Das ist kein Problem.

Das Problem sind Alter und Verletzungen. Das sind Red Flags, die man nicht ignorieren kann. Wenn Prömel bereit wäre, einen leistungsbezogenen Vertrag zu unterschreiben – warum nicht? Dann wäre das Risiko kalkulierbar. Aber ein Spieler mit dieser Historie und diesem Alter ist kein Transfer, den man einfach so durchwinkt.

Zumal die Situation ohnehin eine andere Wendung genommen hat: Hoffenheim und Prömel waren sich eigentlich schon einig. Dann wechselte er die Berateragentur – und plötzlich war wieder Bewegung drin.

Ein anderer Gedanke: Vielleicht sollte der VfB einfach größer denken

Denn es gibt ein Szenario, das viel mehr Sinn ergibt als ein 31-jähriger Dauerläufer mit fragiler Krankenakte:

Rocco Reitz.

Ja, die Ausstiegsklausel liegt bei 28 Millionen. Das ist viel. Zu viel. Aber Reitz ist ein Spieler, der nicht nur gegen den Ball arbeitet, sondern ihn auch sinnvoll bewegt. Mentalität, Intensität, Spielintelligenz – das Gesamtpaket ist beeindruckend. Und wenn Angelo Stiller im Sommer geht, wird der VfB ohnehin Geld in die Hand nehmen müssen.

Für 20 bis 23 Millionen? Da beginnt die Diskussion. Und sie ist berechtigt.

Reitz ist kein Stiller-Klon, aber er bringt etwas mit, das der VfB dringend braucht: Präsenz. Mut. Härte. Und die Fähigkeit, ein Spiel zu lesen, bevor es entsteht.

Fazit: Prömel wäre verständlich – aber Reitz wäre konsequent

Grischa Prömel wäre ein Transfer, der kurzfristig helfen könnte. Einer, der Emotionen reinbringt, der Spiele dreckig macht, der Gegner nervt und Mitspieler mitzieht. Aber er wäre auch ein Transfer mit Ablaufdatum und Risiko.

Rocco Reitz dagegen wäre ein Transfer, der eine Ära prägen könnte.

Deshalb mein zugespitztes Fazit:

Lass Prömel in Hoffenheim. Wenn der VfB wirklich wachsen will, muss er in die Zukunft investieren – nicht in die Vergangenheit.

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