Es gibt Wochen, in denen man als Beobachter der VfB-Leihfraktion das Gefühl hat, man schaue in ein Paralleluniversum: dieselben Namen, dieselben Hoffnungen – aber völlig unterschiedliche Realitäten. Manche kämpfen gegen den Abstieg, manche gegen die eigene Form, manche gegen die medizinische Abteilung. Und einer hält plötzlich alles, was auf ihn zufliegt. Ein Überblick.
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Jovan Milosevic – der Zuschauer im falschen Spiel
Werder Bremen empfing die Bayern, und Jovan Milosevic empfing: die Bank. Daniel Thioune entschied sich gegen den Stürmer, vielleicht aus taktischen Gründen, vielleicht aus Vorsicht, vielleicht aus einem Bauchgefühl heraus, das man im Abstiegskampf gern „Erfahrung“ nennt.
Im Nachhinein kann man sagen: Glück gehabt. Die 0:3-Niederlage hätte Milosevic nicht verhindert, und er muss sich nicht fragen lassen, warum er es nicht getan hat.
Bremen bleibt Sechzehnter, spielt am Sonntag gegen St. Pauli – Sechzehnter gegen Siebzehnter. Spiele, die man als VfB-Beobachter inzwischen mit einer Mischung aus Distanz und Dankbarkeit betrachtet. Wie gut, dass man da nicht mehr mitspielt.
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Yannik Keitel – der Bankspieler mit Wirkung
Yannik Keitel ist wieder gesund, und das ist für Augsburg schon einmal die halbe Miete. Gegen Heidenheim strahlte der „Keitel-Effekt“ sogar von der Bank aus. Augsburg gewann durch einen späten Elfmeter, ein Sieg, der wichtiger war als schön.
Sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang – in Augsburg nennt man das vermutlich „Ruhe“. Am Samstag geht es nach Wolfsburg, wo man traditionell nie weiß, ob man gegen eine Mannschaft oder gegen ein Stimmungsbild spielt.
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Leonidas Stergiou – is back, aber noch nicht zurück
Auch Leo Stergiou ist wieder fit, auch er saß auf der Bank, auch er wurde nicht eingewechselt. Heidenheim feierte an diesem Spieltag vor allem die Niederlagen der Konkurrenz – manchmal ist das im Tabellenkeller der größte Erfolg.
Sechs Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz bleiben es trotzdem. Und am Sonntag wartet eine der besten Mannschaften der Liga: der VfB Stuttgart. Ein Spiel, das für Stergiou eine besondere Note haben könnte – wenn er denn spielt.
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Dennis Seimen – der Torwart, der Bochum den Verstand raubte
Letzte Woche konnte er sich kaum auszeichnen, diese Woche zeichnete er sich aus wie ein Torwart, der beschlossen hat, die Regeln der Wahrscheinlichkeit außer Kraft zu setzen.
Bochum schoss 22-mal aufs Tor, erspielte sich einen xG von 2,24 – und scheiterte zehnmal an Dennis Seimen. Zehn Paraden, mehrere Blocks, ein Abend, an dem er schlicht unüberwindbar war.
Paderborn nimmt einen Punkt mit, verliert aber Platz 3 und steht nun auf Rang 5. Am Sonntag kommt die Hertha – und man darf gespannt sein, ob Seimen wieder in den Modus „Wand“ schaltet.
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Jarzinho Malanga – der geduldige Beobachter
Elversberg gewann in Dresden, und Jarzinho Malanga durfte das aus nächster Nähe betrachten: von der Bank. Vincent Wagner verzichtete auf ihn, vielleicht weil das Spiel zu eng war, vielleicht weil die Balance stimmte.
Elversberg klettert auf Rang 3, und am Samstag wartet Braunschweig. Ein Spiel, in dem Malanga vermutlich wieder Minuten bekommen wird – irgendwann muss man ja auch mal mitspielen dürfen.
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Laurin Ulrich – solide trotz Niederlage
Magdeburg hatte letzte Woche fünf Tore geschossen, diesmal waren es null. Gegen Bielefeld setzte es ein 0:2, und Laurin Ulrich stand wie gewohnt in der Startelf.
Bis zu seiner Auswechslung in der 80. Minute spielte er ordentlich, ohne das Spiel drehen zu können. Magdeburg rutscht zurück auf den Relegationsplatz. Am Samstag geht es im Topspiel nach Schalke – ein Ort, an dem man selten unbemerkt bleibt.
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Benjamin Boakye – der Unterschiedsspieler
Bielefeld gewann in Magdeburg, und einer der Gründe heißt Benjamin Boakye. Nach 70 Minuten eingewechselt, danach ein Antreiber, Balleroberer – und Torschütze zum 2:0.
Ein starker Auftritt, der Bielefeld auf Platz 10 bringt. Am Freitag geht es zum Tabellenletzten nach Fürth. Spiele, die man gewinnen muss, wenn man Ruhe haben will.
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Luca Raimund – ein Schritt zurück
Luca Raimund ist wieder aufgetaucht – allerdings nicht dort, wo man ihn gern sehen würde. Statt im Fortuna-Profi-Kader spielte er in der zweiten Mannschaft gegen Bonn.
0:1 verloren, Raimund nach 77 Minuten ausgewechselt. Es läuft noch nicht rund, und man spürt, wie schwer der Übergang zwischen Talent und Profi sein kann.
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Eliot Bujupi – medizinische Abteilung statt Spielfeld
Knieverletzung. Mehr muss man nicht sagen, und mehr kann man nicht sagen. Hoffen wir, dass es bald wieder anders klingt.
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Peter Reinhardt – die Winterpause der Regionalliga
Illertissen spielt erst am 28. Februar wieder, zuhause gegen Memmingen. Bis dahin bleibt Reinhardt im Trainingsbetrieb – und im Wartemodus.